Fertighaus oder Massivhaus

Eine der ersten Fragen, die sich angehende Häuslebauer stellen müssen, ist die Frage: Welche Bauweise wird angestrebt?

Wir haben für uns eine Liste an Themen zusammen gestellt und entschieden, was davon für uns persönlich wichtig ist. Spoiler Alert: Massivbau hat das Rennen gemacht. Diese Liste ist ganz klar unsere subjektive Meinung aus Befragungen im Umkreis und Recherchen im Internet. Auch sind viele Kriterien noch einmal abhängig von der genauen Bauweise und der Ausführungsgenauigkeit.

ThemaFertighausMassivhausKommentar
KostenFür Aktionshäuser ist es möglich unglaublich zu sparen. Bei Individualbauten, wie wir es als Hangbau benötigen, nimmt sich der Preis nichts mehr.Angebote für unser Bauvorhaben lagen zwischen 350k und 550k. Allerdings passten diverse Anbieter die Anforderungen nach eigenem Dünken an, was die Vergleichbarkeit schwierig machte.Da es kaum einen Unterschied macht, kein wirkliches Kriterium.
ZeitDie Stellzeit des Rohbaus ist natürlich schneller als bei Massivbau, allerdings sind die Auftragsbücher der Anbieter voll und die Wartezeit auch mal bis zu zwei Jahren (yay Bereitstellungszins).Für unser Massivbau haben wir auch ein Jahr Vorlauf zur Planung, welches wir aber auch benötigt haben, um alles zu durchdenken und auf den Bauantrag warten zu können.Kaum Unterschiede, da es gerade mal um die 4-6 Wochen Rohbauersparnis geht.
Langlebigkeit Hier fehlt es an Erfahrungswerten. Bei älteren Fertighäusern wird argumentiert, dass sie nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen. Die heutig gebauten Häuser haben gerade einmal ihre 10 Jahre auf dem Buckel. Das ist für ein Haus noch nichts.Massivbau gibt es seit hunderten Jahren. Zugegeben je nach Bauweise sind auch hier die Baustoffe neuer und mit weniger Erfahrungswerten (Beispiel: gefüllte Porotonziege). Grundsätzlich ist das Steinhaus aber für die 100+ Jahre ausgelegt.Hier haben wir eindeutig für das Massivhaus gestimmt.
FlexibilitätGrundsätzlich ist Individualbau bei Fertighäusern möglich. Einschränken erleben wir dahingehend oft bei dem Thema Eigenleistung. Ein Betonfertigteilhaus zB. muss alle Leerrohre und Unterputzdosen bereits vorsehen. Eine Leistung, die wir gerne als EL übernehmen wollen.Im Massivbau können wir einige EL übernehmen. Wir planen Elektro, schlitzen Wände und verkabeln. Grundsätzlich sind beide flexibel bis auf wenige EL Einschränkungen.
BaumängelBei vielen eigenen Recherchen im Internet und Bekanntenumkreis traten Baumängel vermehrt bei Fertighäusern aus. Bei einem Nachbarhaus war die Stellgenauigkeit der Wandteile unterirdisch und es gab erhebliche Spaltmaße an den Hausecken (Kältebrücke?).
Wasserprobleme sind bei einem Fertighaus schnell der Tod und Abriss billiger als die Komplettsanierung.
Bei den Schwiegereltern (Massiv) kam es beim Bau zum Rohrbruch. Eine mittlere Katastrophe, aber bei einem Massivhaus händelbar. Die Bauweise ist auch hier entscheidend. Eine Styropor-Wärmedämmung ist anfällig für Folgeschäden und Schimmelprobleme.Hier entscheiden wir für den Massivbau, auch wenn das unsere subjektive Wahrnehmung aus unserem Umfeld ist.
SchallschutzAuch Fertighäuer können einen guten Schallschutz aufweisen, aber nichts kommt gegen massive Wände an.Auch beim Massivbau gibt es deutlich Unterschiede. Hohllochziegel haben nicht den gleichen Schallschutz wie gefüllte Ziegel und schon gar nicht zu massiven.Für uns ein wichtiges Thema, da wir an einer gut befahrenen Hauptstraße bauen. Damit entscheiden wir für gefüllte Porotonziegel mehr aus Schallschutz-gründen als aus Wärmedämmung.
HitzeschutzDieses Thema wird noch sehr unterschätzt bei Politik und Häuslebauern. Hier sehen wir einen deutlichen Nachteil von Fertighäusern in Holzständerbauweise.Je massiver die Wand, umso besser der Hitzeschutz.Ganz klare Entscheidung zum Massivhaus.
RaumklimaIn den Musterhäusern war das Raumklima sehr unangenehm, allerdings werden diese Häuser auch nicht regulär bewohnt.Bei Tonziegeln gibt es ein angenehmes Raumklima.Beide können hier punkten. Den Vorzug gaben wir dem Massivhaus.
ÖkologieJe nach Ausführung können Fertighäuser hier punkten. Allerdings müssen auch Fertighäuser besonders lange stehen, um von ihren Vorteilen zu profitieren.Ziegel werden heiß gebrannt und sind im ersten Schritt nicht die ökologischste Wahl. Ist das Haus allerdings besonders lange im Einsatz, kann sich das relativieren.Besonders das Thema Dämmung muss kritisch hinterfragt werden und das gilt für beide Bauweisen.
Platzverbrauch Hier profitiert ganz klar die Holständerfertig-häuser. Da unser Grundstück genug Platz hat, für uns kein Kriterium.Steine brauchen für vergleichbare Dämmwerte mehr Platz. Ist so.Wir haben Platz und bei uns kommt es auf ein paar Quadratmeter mehr oder weniger nicht an.
KfW-FörderungDie KfW-Förderung ist im Fertighausbau leichter zu erhalten, da sich Anbieter mehr darauf spezialisiert haben. Inwieweit genau diese Firmen den Zuschuss aber schon in ihre Marge planen, bleibt hier erst einmal unbelegte Unterstellung.Massivbaufirmen winden sich um den KfW-Standard und manche Anbieter haben uns für die Frage danach aussortiert. Schwierig kalkulierbar wird es, weil die vielen einzelnen Positionen zum Erreichen des höheren Standards selten sauber aufgeschlüsselt werden (Bodenplatte-/ Kellerdämmung, Fenster, Wandstärken, Dach/- Dämmungen, Heizsystem, Belüftung, PV und und und).Wir haben uns gegen die KfW-Förderung entschieden, da die Vorgaben das Baugeschehen enorm verteuern und auch verkomplizieren. Wir bauen in einem guten energetischen Bereich und sind in unseren Optionen frei. Eine PV kann so auch nachträglich (und sogar gebraucht) nachgerüstet werden und stellt den Zuschuss immer mehr in Frage. Auch sind die 10 Jahre Zinsbindung heute nicht mehr allzu attraktiv für uns.

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  1. Vielen Dank für diesen klaren Beitrag zum Thema Fertighaus oder Massivhaus. Sehr gut formuliert und ich konnte es sehr gut verstehen. Damit werde ich vorgehen.

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